Die 10 häufigsten Fehler beim Erstellen eines Testaments

Die 10 häufigsten Fehler beim Erstellen eines Testaments

Die 10 häufigsten Fehler beim Erstellen eines Testaments

Ein Testament ist ein wichtiger Bestandteil der Nachlassplanung. Es stellt sicher, dass das eigene Vermögen nach dem Tod nach den eigenen Wünschen verteilt wird. Doch viele Menschen machen dabei entscheidende Fehler, die zu Streitigkeiten unter den Erben oder sogar zur Ungültigkeit des Testaments führen können.

Um dies zu vermeiden, zeigen wir die 10 häufigsten Fehler bei der Testamentserstellung, erklären deren Auswirkungen und geben praktische Tipps, wie sie umgangen werden können.


1. Kein Testament vorhanden

Problem

Viele Menschen verlassen sich auf die gesetzliche Erbfolge, ohne zu bedenken, dass diese nicht immer ihren Wünschen entspricht. Wer kein Testament verfasst, überlässt es dem Gesetz, wer wie viel erbt.

Folgen

  • Ehepartner oder Kinder erhalten möglicherweise nicht das gewünschte Erbe.
  • Unverheiratete Lebenspartner gehen leer aus.
  • Erbstreitigkeiten zwischen Familienmitgliedern sind vorprogrammiert.

Beispiel

Max, unverheiratet, lebt seit 15 Jahren mit seiner Partnerin Lisa zusammen. Nach seinem plötzlichen Tod erben laut gesetzlicher Erbfolge nur seine Geschwister – Lisa bekommt nichts. Hätte er ein Testament verfasst, hätte er sie als Erbin bestimmen können.

Lösung

Jeder, der eigene Vorstellungen über die Verteilung seines Nachlasses hat, sollte ein Testament verfassen. Besonders für unverheiratete Paare und Patchwork-Familien ist dies essenziell.


2. Testament nicht handschriftlich verfasst

Problem

Ein Testament muss vollständig handschriftlich verfasst sein. Ein nur am Computer geschriebenes und ausgedrucktes Dokument ist ungültig – selbst mit einer Unterschrift.

Folgen

  • Das Testament wird vom Nachlassgericht nicht anerkannt.
  • Es tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft.

Beispiel

Sophie schreibt ihr Testament am Laptop, druckt es aus und unterschreibt es. Nach ihrem Tod wird dieses Testament für unwirksam erklärt, da es nicht eigenhändig geschrieben wurde. Ihr Vermögen wird nach der gesetzlichen Erbfolge verteilt, nicht nach ihren Wünschen.

Lösung

Das Testament muss vollständig handschriftlich verfasst und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen sein. Wer sicher gehen will, kann es notariell beurkunden lassen.


3. Fehlende oder unklare Benennung der Erben

Problem

Wenn Erben nicht eindeutig benannt werden, kann dies zu Missverständnissen oder rechtlichen Auseinandersetzungen führen.

Folgen

  • Mehrere Personen könnten sich als Erben sehen.
  • Das Nachlassgericht muss entscheiden, was den Erbprozess verzögert.

Beispiel

Peter schreibt in sein Testament: „Mein Haus geht an meine Familie.“ Wer genau ist gemeint? Seine Ehefrau? Seine Kinder? Alle Verwandten? Ohne eine klare Definition gibt es Streit.

Lösung

Alle Erben müssen mit vollem Namen und Geburtsdatum aufgeführt werden. Die Begriffe „Erbe“ und „Vermächtnisnehmer“ sollten korrekt verwendet werden.


4. Formfehler im Testament

Problem

Ein Testament kann wegen formaler Fehler unwirksam sein, etwa bei fehlender Unterschrift oder ungenauen Formulierungen.

Folgen

  • Das Testament wird nicht anerkannt.
  • Die gesetzliche Erbfolge tritt in Kraft.

Beispiel

Lena schreibt ihr Testament und vergisst, es zu unterschreiben. Nach ihrem Tod wird es nicht anerkannt – ihr letzter Wille bleibt unbeachtet.

Lösung

Das Testament muss folgende Mindestanforderungen erfüllen:
Handschriftlich geschrieben
Mit vollem Namen unterschrieben
Ort und Datum angeben


5. Unklare Formulierungen

Problem

Vage oder mehrdeutige Aussagen führen zu Interpretationsproblemen.

Folgen

  • Erben streiten über die Bedeutung einzelner Passagen.
  • Das Nachlassgericht muss entscheiden.

Beispiel

Hans schreibt: „Meine Tochter soll einen angemessenen Anteil erhalten.“ Was ist „angemessen“? 10 %, 50 %, alles?

Lösung

Die Formulierungen müssen präzise sein, z. B.:
„Meine Tochter Lisa, geboren am …, erhält 50 % meines Vermögens.“


6. Fehlende Aktualisierung des Testaments

Problem

Lebenssituationen ändern sich – doch viele passen ihr Testament nicht daran an.

Folgen

  • Der Nachlass wird nicht nach aktuellen Wünschen verteilt.
  • Geschiedene Ehepartner könnten erben.

Beispiel

Michael vergisst, sein Testament nach der Scheidung zu ändern. Seine Ex-Frau erbt weiterhin sein Vermögen, obwohl er dies nicht mehr gewollt hätte.

Lösung

Das Testament sollte regelmäßig überprüft werden, besonders nach:
✅ Heirat oder Scheidung
✅ Geburt von Kindern
✅ Erwerb neuer Vermögenswerte


7. Keine Berücksichtigung des Pflichtteils

Problem

Pflichtteilsberechtigte (z. B. Kinder) können nicht einfach enterbt werden.

Folgen

  • Erben können Pflichtteil einklagen.
  • Es entstehen hohe Kosten durch gerichtliche Auseinandersetzungen.

Beispiel

Ein Vater enterbt seine Tochter ohne Begründung. Sie klagt ihren Pflichtteil ein – das Testament wird teilweise unwirksam.

Lösung

Möchte man jemanden vom Erbe ausschließen, sollte ein erfahrener Erbrecht-Anwalt konsultiert werden.


8. Unsachgemäße Aufbewahrung des Testaments

Problem

Ein Testament, das nicht gefunden wird, kann nicht umgesetzt werden.

Lösung

Das Testament sollte hinterlegt werden:
Beim Notar oder Amtsgericht
In einem Bankschließfach oder Safe


9. Mehrere Testamente ohne eindeutigen Widerruf

Problem

Wenn mehrere Testamente existieren, ist oft unklar, welches gültig ist.

Beispiel

Stefan schreibt über Jahre hinweg mehrere Testamente. Da keines die vorherigen ausdrücklich widerruft, kommt es zu Streitigkeiten unter den Erben.

Lösung

Jedes neue Testament sollte eine Widerrufsklausel enthalten:
✅ „Hiermit widerrufe ich alle früheren Testamente.“


10. Keine Berücksichtigung internationaler Aspekte

Problem

Wer Vermögen im Ausland hat, muss dortige Erbrechtsregelungen beachten.

Beispiel

Anna besitzt eine Ferienwohnung in Spanien. Ohne eine separate Nachlassregelung kann es dort zu Problemen mit den Erben kommen.

Lösung

Wer Immobilien oder Konten im Ausland hat, sollte sich über die dortigen Erbrechtsregelungen informieren und ggf. ein zusätzliches Testament im jeweiligen Land erstellen.


Fazit

Ein Testament sollte mit Sorgfalt und Präzision erstellt werden, um Streit und Probleme für die Erben zu vermeiden. Wer sich unsicher ist, sollte sich von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten lassen.

Checkliste:
✅ Testament handschriftlich verfassen
Klare Erben benennen
Regelmäßige Überprüfung & Anpassung
Sichere Aufbewahrung sicherstellen

Mit einer durchdachten Nachlassplanung kann man sicherstellen, dass der letzte Wille auch wirklich umgesetzt wird.

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